Kommentar / IT-Kultur
KI ist nicht das Problem. Das toxische Gatekeeping der IT-Szene ist es.
Über gekränkte Egos, künstliche Eintrittsbarrieren und eine IT-Community, die ausgerechnet das bekämpft, wofür sie einmal stand: technologischen Fortschritt.

Vorwort: Mir platzt langsam der Kragen
Ich muss mir etwas von der Seele schreiben. Und diesmal geht es nicht um eine Schwachstelle, einen Exploit oder Reverse Engineering.
Es geht um etwas, das mich innerhalb der IT-Community zunehmend ankotzt.
Die regelrecht reflexartige Abwertung von allem, was auch nur entfernt mit künstlicher Intelligenz entwickelt wurde.
Es reicht mittlerweile, irgendwo zu erwähnen, dass ChatGPT, Claude oder ein anderes KI-Werkzeug bei einem Projekt geholfen hat, und schon kommen sie aus ihren Löchern: die selbsternannten Wächter der echten Informatik.
„AI-Slop!“
„Lern erst mal richtig programmieren!“
„Das hast du doch gar nicht selbst gemacht!“
Es wird bewertet, verurteilt und herabgewürdigt, bevor überhaupt jemand einen ernsthaften Blick auf das eigentliche Ergebnis geworfen hat.
Und besonders absurd wird es, wenn diese Haltung ausgerechnet von Menschen kommt, die sich einer Szene zugehörig fühlen, deren gesamte Geschichte von technischen Innovationen, Experimentierfreude und dem kreativen Missbrauch bestehender Werkzeuge geprägt ist.
Seit wann ist technologischer Fortschritt eigentlich etwas, das man in der IT-Szene rechtfertigen muss?
Ich finde diese Entwicklung nicht nur lächerlich. Ich halte sie für ein ernsthaftes Problem.
Und eine persönliche Erfahrung hat mir noch einmal verdeutlicht, wie weit dieser Unsinn mittlerweile geht.
1. AlienZone: Wenn eine kostenlose Lernplattform zum Feindbild wird
Ich beschäftige mich leidenschaftlich mit IT-Sicherheit, Reverse Engineering und offensiver Sicherheitsforschung.
Webentwicklung gehört dagegen nicht zu meinen Kernkompetenzen.
Trotzdem hatte ich eine Idee: eine kostenlose Capture-the-Flag-Plattform, die Menschen spielerisch an das Thema Hacking heranführt.
Daraus entstand AlienZone.de.
Eine Plattform, auf der Menschen durch praktische Aufgaben technische Zusammenhänge verstehen und ihre Fähigkeiten verbessern können.
Keine Paywall. Keine Werbung. Kein Geschäftsmodell, bei dem Lernende erst einmal zur Kasse gebeten werden.
Die Plattform ist kostenlos und verzichtet auf Tracking-Cookies.
Lediglich im unteren Bereich befindet sich neben dem Impressum eine freiwillige Spendenmöglichkeit über Kryptowährungen.
Warum?
Weil Infrastruktur Geld kostet. Bandbreite kostet Geld. Und wenn eine Plattform wächst, steigen auch die technischen Anforderungen.
Spenden sollen mir dabei helfen, die Infrastruktur zu finanzieren und das Angebot weiterzuentwickeln.
Keine besonders revolutionäre Idee.
Weil es für kleine Projekte schwierig ist, ohne bestehende Reichweite Aufmerksamkeit zu bekommen, habe ich die Moderation des Subreddits r/de_EDV kontaktiert.
Nicht, um ungefragt Werbung zu spammen.
Sondern um vorher höflich nachzufragen, ob ich meine kostenlose Lernplattform vorstellen dürfte.
Was darauf folgte, hat mich ziemlich sprachlos gemacht.
Statt einer sachlichen Diskussion über die Plattform wurden mir sinngemäß Steuerhinterziehung unterstellt, die Webseite als „AI-Slop“ abgewertet und schließlich sogar mein Profilbild zum Gegenstand einer persönlichen Bewertung gemacht.
Ja, mein Profilbild zeigt Pepe, den Frosch.
Offenbar reicht das manchen Menschen bereits, um zu wissen, mit was für einer Person sie es zu tun haben.
Wir reden hier über eine kostenlose IT-Lernplattform. Und plötzlich diskutieren Menschen über vermeintliche Steuerkriminalität, einen Internetfrosch und die moralische Verwerflichkeit von KI.
Was zum Teufel ist eigentlich passiert?
Selbstverständlich können auch Kryptowährungsspenden steuerrechtlich relevant sein. Die bloße Existenz einer solchen Spendenmöglichkeit ist aber kein Nachweis für Steuerhinterziehung.
Genauso wenig sagt ein Meme-Profilbild irgendetwas Verlässliches über die technische Qualität einer Webseite aus.
Und ob eine Anwendung mit KI-Unterstützung entstanden ist, beantwortet noch lange nicht die Frage, ob sie gut, schlecht, sicher oder nützlich ist.
Das sind vollkommen unterschiedliche Themen.
Wer sie wahllos miteinander vermischt, führt keine sachliche Diskussion mehr.
Er sucht Gründe, um jemanden abzuwerten.
2. „AI-Slop“: Ein Begriff, der zunehmend als Totschlagargument missbraucht wird
Es gibt AI-Slop.
Natürlich gibt es das.
Automatisch generierte Webseiten ohne sinnvollen Inhalt, massenhaft produzierte Texte ohne Substanz, fehlerhafte Software, die ungeprüft veröffentlicht wird.
Das ist ein reales Problem.
Aber daraus folgt nicht, dass jedes KI-gestützte Projekt automatisch minderwertig ist.
Eine solche Gleichsetzung ist technisch genauso unsinnig wie die Behauptung, jede mit einem Website-Baukasten erstellte Seite sei automatisch schlecht.
Die Verwendung eines Werkzeugs ist kein Qualitätsmerkmal. Das Ergebnis ist es.
Ich habe Monate damit verbracht, AlienZone zu entwickeln und zu optimieren.
Ich habe mich mit Funktionalität, Benutzerführung, Fehlerbehebung, Infrastruktur und Datenschutzanforderungen beschäftigt.
Ich musste Entscheidungen treffen, Probleme verstehen und Ergebnisse überprüfen.
Daran ändert sich nichts, nur weil KI mir bei der Umsetzung geholfen hat.
Natürlich kann ein Sprachmodell Code generieren.
Aber ein Sprachmodell entscheidet nicht eigenständig, ob meine Plattform pädagogisch sinnvoll ist, welche Funktionen ich tatsächlich möchte, welche technischen Kompromisse ich akzeptiere oder ob ich ein Ergebnis überhaupt veröffentliche.
Diese Verantwortung liegt bei mir.
Und damit kommen wir zum eigentlichen Problem:
Einige Menschen verwechseln die Automatisierung eines Arbeitsschritts mit der Abwesenheit menschlicher Leistung.
Dabei besteht Softwareentwicklung aus deutlich mehr als dem manuellen Tippen von Quellcode.
Anforderungen definieren. Architektur entwerfen. Fehler analysieren. Sicherheit bewerten. Funktionalität testen. Wartbarkeit sicherstellen.
Das alles verschwindet nicht, weil ein Werkzeug einen Teil der Implementierung übernimmt.
Wer ein Projekt kritisieren möchte, soll es untersuchen.
Zeigt mir die Sicherheitslücken. Zeigt mir die fehlerhafte Logik. Zeigt mir die schlechten Architekturentscheidungen.
Damit kann ich arbeiten.
Aber „AI-Slop“ in die Kommentare zu rotzen, ohne überhaupt eine technische Analyse durchgeführt zu haben, ist keine Kritik.
Es ist intellektuelle Faulheit mit einem besonders selbstgefälligen Anstrich.
3. Vielleicht ist das eigentliche Problem ein gekränktes Ego
Jetzt kommen wir zu einem Punkt, der einigen vermutlich nicht gefallen wird.
Ich habe zunehmend den Eindruck, dass ein Teil dieser aggressiven Anti-KI-Haltung aus einem gekränkten Selbstverständnis entsteht.
Manche Menschen haben Jahre damit verbracht, eine Fähigkeit zu erlernen, die lange Zeit vergleichsweise exklusiv war.
Sie konnten programmieren.
Sie verstanden Frameworks.
Sie konnten Anwendungen entwickeln, während andere schon an einer einfachen Webseite scheiterten.
Und natürlich ist das eine Leistung.
Aber wenn die eigene Identität irgendwann hauptsächlich darauf beruht, etwas zu können, das andere nicht können, entsteht ein Problem.
Denn plötzlich kommen Werkzeuge auf den Markt, die genau diese Eintrittsbarrieren drastisch reduzieren.
Menschen ohne jahrelange Spezialisierung können Anwendungen entwickeln.
Ein Security Researcher kann eine Webseite bauen, ohne Webentwickler zu werden.
Ein Wissenschaftler kann ein Analysewerkzeug umsetzen, ohne sich vorher monatelang mit GUI-Frameworks beschäftigen zu müssen.
Ein Mensch mit einer guten Idee kann diese Idee plötzlich tatsächlich realisieren.
Und für manche scheint genau das unerträglich zu sein.
Nicht, weil das Ergebnis schlechter ist. Sondern weil die eigene Fähigkeit dadurch weniger exklusiv wird.
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Ich behaupte ausdrücklich nicht, dass Programmierkenntnisse wertlos geworden sind.
Im Gegenteil.
Tiefes technisches Verständnis wird gerade in einer Welt voller automatisch generierter Software enorm wichtig bleiben.
Aber der Wert einer Fähigkeit darf nicht davon abhängen, wie viele andere Menschen davon ausgeschlossen sind.
Wer stolz auf seine Kompetenz ist, sollte sich durch bessere Werkzeuge nicht bedroht fühlen.
Er sollte verstehen, wie er sie nutzen kann.
Denn Kompetenz bedeutet nicht, dass andere möglichst wenig können.
Kompetenz bedeutet, Probleme besser lösen zu können.
Wenn dein gesamtes berufliches Selbstverständnis zusammenbricht, weil jemand ohne deine jahrelange Spezialisierung ein brauchbares Produkt veröffentlichen kann, dann liegt das Problem möglicherweise nicht an der Technologie.
4. Ich will kein Webentwickler werden. Ich will meine Ideen umsetzen.
Warum sollte ich mich monatelang mit React, Next.js, CSS-Frameworks und den Eigenheiten moderner Webentwicklung beschäftigen, wenn meine eigentliche Leidenschaft woanders liegt?
Ich interessiere mich für Low-Level-Technologien, Speicherverwaltung, Exploit-Entwicklung und Reverse Engineering.
Ich möchte verstehen, wie Systeme intern funktionieren.
Ich möchte experimentieren, forschen und meine Erkenntnisse weitergeben.
Warum sollte ich meine Zeit nicht dort investieren dürfen, wo meine eigentlichen Interessen und Fähigkeiten liegen?
Nur damit ich irgendwann stolz behaupten kann, dass ich jede einzelne Zeile meiner Webseite selbst geschrieben habe?
Wen interessiert das?
Wenn ich eine moderne, benutzerfreundliche Webseite benötige, dann möchte ich eine moderne, benutzerfreundliche Webseite haben.
Ob diese mit einem klassischen Framework, einem Baukastensystem, einem Generator oder KI-Unterstützung entstanden ist, interessiert den Endnutzer im Regelfall nicht.
Ihn interessiert, ob das Ding funktioniert.
Ob er versteht, wie es zu bedienen ist.
Ob seine Daten geschützt werden.
Ob die Inhalte einen Mehrwert bieten.
Und genau das sind die Maßstäbe, die zählen sollten.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass grundlegende Kenntnisse verzichtbar wären.
Wer eine Anwendung öffentlich betreibt, trägt Verantwortung für ihre Sicherheit und Zuverlässigkeit.
KI-generierter Code kann Schwachstellen enthalten, ungewollte Abhängigkeiten einführen oder architektonisch katastrophal sein.
Wer solchen Code blind veröffentlicht, handelt fahrlässig.
Aber das ist ein Argument für bessere Prüfprozesse, nicht gegen KI-Unterstützung.
Die richtige Forderung lautet nicht:
„Schreib gefälligst alles selbst.“
Sondern:
„Verstehe, was du veröffentlichst, und übernimm Verantwortung dafür.“
5. Die Geschichte der Informatik ist eine Geschichte der Abstraktion
Hier wird die Debatte besonders absurd.
Die gesamte Softwareentwicklung basiert darauf, dass wir immer höhere Abstraktionsebenen schaffen.
Früher musste man maschinennah programmieren.
Dann kamen höhere Programmiersprachen.
Compiler übersetzten menschenlesbaren Code in Maschinenbefehle.
Bibliotheken abstrahierten wiederkehrende Funktionen.
Frameworks nahmen Entwicklern ganze Architekturentscheidungen ab.
Paketmanager automatisierten die Verwaltung von Abhängigkeiten.
IDEs übernahmen Codevervollständigung, Refactoring und Fehleranalyse.
Niemand mit einem halbwegs vernünftigen Verständnis der Informatik würde heute behaupten, ein C-Programmierer sei grundsätzlich weniger legitim als ein Assembler-Programmierer, weil der Compiler ihm Arbeit abnimmt.
Niemand würde ernsthaft fordern, dass jeder Webentwickler seinen eigenen HTTP-Server von Grund auf implementieren muss.
Warum also ziehen manche ausgerechnet bei KI eine moralische Grenze?
Natürlich unterscheidet sich generative KI von einem klassischen Compiler.
Ihre Ausgaben sind probabilistisch, können falsch sein und müssen entsprechend überprüft werden.
Aber der grundlegende Zweck vieler ihrer Anwendungen ist vertraut:
Komplexität reduzieren und Menschen ermöglichen, sich auf übergeordnete Probleme zu konzentrieren.
Wir abstrahieren seit Jahrzehnten technische Details, um produktiver zu werden.
Und jetzt sollen wir plötzlich so tun, als wäre die nächste Automatisierungsstufe ein Angriff auf die Würde des Programmierens?
Das ist keine technische Argumentation.
Das ist Nostalgie, die sich als Prinzipientreue verkleidet.
6. Gatekeeping ist nicht dasselbe wie Qualitätssicherung
Eine technische Community braucht Standards.
Sie braucht kritische Menschen, die schlechte Implementierungen erkennen, Sicherheitsprobleme aufdecken und unbegründete Behauptungen hinterfragen.
Das ist unverzichtbar.
Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Qualitätssicherung und Gatekeeping.
Qualitätssicherung fragt:
- Funktioniert das Projekt zuverlässig?
- Sind die technischen Entscheidungen nachvollziehbar?
- Gibt es Sicherheitsprobleme?
- Sind Datenschutz und Wartbarkeit berücksichtigt?
- Bietet die Anwendung einen tatsächlichen Mehrwert?
Gatekeeping fragt:
- Hast du das wirklich alles selbst programmiert?
- Warum hast du KI verwendet?
- Bist du überhaupt ein richtiger Entwickler?
- Was hast du eigentlich studiert?
- Warum glaubst du, dass du hier mitreden darfst?
Das eine verbessert Projekte.
Das andere schützt soziale Hierarchien.
Natürlich dürfen Communities entscheiden, welche Inhalte sie zulassen.
Auch Werbung darf eingeschränkt werden.
Aber Regeln sind etwas anderes als persönliche Herabwürdigung.
Wer einem Menschen aufgrund seiner Werkzeuge pauschal die fachliche Legitimation abspricht, verteidigt keine Qualitätsstandards.
Er verteidigt ein exklusives Selbstverständnis.
Und genau das ist Gift für eine Community, die eigentlich vom Wissensaustausch leben sollte.
7. Ausgerechnet die Hacker-Szene sollte es besser wissen
Was mich an dieser Entwicklung besonders stört, ist der Widerspruch zur ursprünglichen Hacker-Mentalität.
Hacking war für mich nie eine Frage von Titeln, Zertifikaten oder akademischen Lebensläufen.
Es ging darum, Dinge verstehen zu wollen.
Grenzen auszutesten.
Systeme auseinanderzunehmen.
Bestehende Werkzeuge anders zu verwenden, als ihre Entwickler es vorgesehen hatten.
Wissen zu sammeln, zu teilen und anderen zugänglich zu machen.
Die Frage war nicht, ob jemand den gesellschaftlich akzeptierten Weg gewählt hatte.
Die Frage war, ob jemand etwas Interessantes herausgefunden oder geschaffen hatte.
Ein ungewöhnliches Skript, ein cleverer Workaround, ein selbst entwickeltes Werkzeug oder eine neue Herangehensweise konnten Begeisterung auslösen.
Heute erlebe ich zunehmend das Gegenteil.
Menschen werden nicht danach bewertet, was sie beitragen, sondern danach, ob ihr Entwicklungsprozess den persönlichen Vorstellungen anderer entspricht.
Dabei ist es gerade der kreative Umgang mit Werkzeugen, der die Hacker-Kultur ausmacht.
Wer neue Werkzeuge grundsätzlich ablehnt, weil sie technische Fähigkeiten demokratisieren, hat meiner Ansicht nach einen wesentlichen Teil dieser Kultur nicht verstanden.
Ein Hacker muss nicht jede Schraube persönlich herstellen, bevor er ein System untersuchen darf.
Warum sollte er dann jede CSS-Klasse selbst schreiben müssen, bevor er eine Lernplattform veröffentlichen darf?
8. Ja, KI hat echte Probleme. Nein, das rechtfertigt keine Hexenjagd.
Bevor jetzt wieder die üblichen Vorwürfe kommen:
Nein, ich halte KI nicht für eine fehlerfreie Wundertechnologie.
Es gibt berechtigte Kritik.
Der Energie- und Wasserbedarf großer Rechenzentren ist ein ernst zu nehmendes Thema.
Die Verwendung urheberrechtlich geschützter Trainingsdaten wirft schwierige Fragen auf.
Die Konzentration leistungsfähiger Modelle bei wenigen großen Unternehmen ist problematisch.
Der Einsatz von KI kann Arbeitsmärkte verändern, Fehlinformationen erleichtern und neue Sicherheitsrisiken schaffen.
Auch der steigende Bedarf an Rechenleistung beeinflusst Hardwaremärkte und Investitionsentscheidungen.
Über all das müssen wir sprechen.
Und zwar ernsthaft.
Aber ich habe ein Problem damit, wenn diese Themen pauschal als moralische Keule gegen jeden einzelnen KI-Nutzer verwendet werden.
Wer eine Webseite mit KI-Unterstützung erstellt, ist nicht automatisch verantwortlich für sämtliche ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme der globalen KI-Industrie.
Genauso wenig ist jemand, der ein Auto fährt, persönlich für jede Entscheidung der Automobilindustrie verantwortlich.
Das bedeutet nicht, dass individuelles Handeln bedeutungslos wäre.
Aber zwischen einer differenzierten Diskussion über tatsächliche Auswirkungen und der pauschalen Verurteilung von Nutzern liegen Welten.
Wenn jemand meine Webseite wegen ihres Energieverbrauchs kritisieren möchte, dann soll er konkrete Größenordnungen betrachten.
Wenn jemand Datenschutzprobleme vermutet, dann soll er technische Befunde vorlegen.
Wenn jemand die Codequalität bemängelt, dann soll er die entsprechenden Fehler benennen.
Aber bitte hört auf, diffuse gesellschaftliche Probleme als Vorwand zu verwenden, um einzelne Menschen für die Umsetzung ihrer Ideen persönlich anzugreifen.
Das ist keine Umweltpolitik.
Das ist keine Ethik.
Und schon gar keine konstruktive Technologiekritik.
9. Die eigentliche Gefahr: Wenn kulturelle Ablehnung zu strukturellem Stillstand wird
Ich halte diese Entwicklung nicht bloß für ein nerviges Internetphänomen.
Sie kann reale Konsequenzen haben.
Wenn Menschen wiederholt erleben, dass sie für den Einsatz bestimmter Werkzeuge verspottet, ausgeschlossen oder persönlich angegriffen werden, hat das Auswirkungen.
Ideen werden möglicherweise gar nicht erst veröffentlicht.
Einsteiger trauen sich nicht, ihre Projekte vorzustellen.
Menschen ohne klassischen IT-Lebenslauf ziehen sich aus technischen Communities zurück.
Wissensaustausch wird durch soziale Abgrenzung ersetzt.
Und besonders problematisch wird es, wenn solche Einstellungen in Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder politischen Debatten Einfluss gewinnen.
Denn dann reden wir nicht mehr nur über beleidigte Kommentare in einem Subreddit.
Dann reden wir über eine Kultur, die neue Werkzeuge reflexartig als illegitim betrachtet, bevor ihr tatsächlicher Nutzen überhaupt verstanden wurde.
Das kann Innovation ausbremsen.
Nicht jede kritische Regulierung ist innovationsfeindlich. Datenschutz, Transparenz und Sicherheitsanforderungen können sogar Voraussetzung für nachhaltigen Fortschritt sein.
Aber Entscheidungen, die primär aus Angst, Statusdenken oder ideologischer Ablehnung entstehen, sind etwas anderes.
Eine Gesellschaft, die technologische Veränderungen nur danach bewertet, welche bestehenden Kompetenzen sie entwerten könnten, wird Schwierigkeiten haben, neue Kompetenzen aufzubauen.
Gerade in Deutschland, wo wir ohnehin regelmäßig über Digitalisierung, Fachkräftemangel und technologische Wettbewerbsfähigkeit diskutieren, sollten wir uns fragen, ob wir wirklich noch zusätzliche künstliche Eintrittsbarrieren brauchen.
Denn wir benötigen nicht weniger Menschen, die technische Lösungen entwickeln.
Wir benötigen mehr davon.
10. KI ersetzt nicht automatisch Kompetenz. Aber sie verändert, welche Kompetenz zählt.
Es wäre genauso falsch, jetzt das gegenteilige Extrem zu behaupten.
Dass jeder Mensch mit einem guten Prompt automatisch ein hervorragender Softwareentwickler sei.
Das ist Unsinn.
Wer Quellcode nicht versteht, wird Schwierigkeiten haben, komplexe Fehler zu beheben, Sicherheitslücken zu erkennen oder eine Anwendung langfristig zu warten.
Ein Sprachmodell kann selbstbewusst falschen Code produzieren.
Es kann Funktionen erfinden, Abhängigkeiten falsch verwenden oder Sicherheitsmechanismen unzureichend implementieren.
Gerade in der IT-Sicherheit kann blindes Vertrauen in solche Ausgaben gefährlich werden.
Aber daraus ergibt sich eine interessante Verschiebung.
Wenn die reine Erzeugung von Code zunehmend automatisiert wird, gewinnen andere Fähigkeiten an Bedeutung.
Die Fähigkeit, Anforderungen präzise zu formulieren.
Die Fähigkeit, technische Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.
Die Fähigkeit, Architekturentscheidungen zu bewerten.
Die Fähigkeit, Sicherheitsrisiken zu erkennen.
Und vor allem die Fähigkeit, reale Probleme überhaupt erst zu identifizieren.
Syntaxkenntnisse sind nützlich. Aber Syntaxkenntnisse sind nicht dasselbe wie Problemlösungskompetenz.
Ein Mensch kann hervorragend programmieren und trotzdem keine sinnvolle Produktidee haben.
Ein anderer Mensch kann eine hervorragende Idee haben, aber nicht die technischen Kenntnisse besitzen, um sie vollständig eigenständig umzusetzen.
Warum sollten wir verhindern wollen, dass beide mithilfe neuer Werkzeuge produktiver werden?
Warum sollte der zweite Mensch seine Idee nicht realisieren dürfen?
Nur weil er nicht denselben Ausbildungsweg hinter sich hat?
Wissen bleibt wertvoll.
Erfahrung bleibt wertvoll.
Technisches Verständnis bleibt wertvoll.
Aber Exklusivität ist kein Qualitätsmerkmal.
11. Wer Wissen vermitteln will, sollte keine künstlichen Mauern errichten
Es gibt noch einen Aspekt, den ich besonders wichtig finde.
Viele Menschen haben weder die Zeit noch die finanziellen Möglichkeiten, sich jahrelang auf ein bestimmtes Fachgebiet zu spezialisieren.
Sie arbeiten.
Sie studieren etwas anderes.
Sie haben familiäre Verpflichtungen.
Oder sie verfügen schlicht nicht über die Voraussetzungen, die andere Menschen als selbstverständlich betrachten.
KI kann solche Unterschiede nicht vollständig beseitigen.
Aber sie kann die Hürde senken, überhaupt mit der Umsetzung einer Idee anzufangen.
Ein Schüler kann ein kleines Lernprogramm entwickeln.
Ein Wissenschaftler kann eine Datenanalyse automatisieren.
Ein Hobbyentwickler kann ein eigenes Werkzeug bauen.
Ein Security-Enthusiast kann eine CTF-Plattform veröffentlichen.
Nicht jedes dieser Projekte wird professionellen Qualitätsansprüchen genügen.
Das müssen sie auch nicht von Anfang an.
Der Zugang zu technischen Möglichkeiten sollte nicht davon abhängen, ob jemand vorher eine jahrelange Aufnahmeprüfung in Form selbst angeeigneter Spezialkenntnisse bestanden hat.
Wer wirklich möchte, dass mehr Menschen programmieren lernen, forschen und experimentieren, sollte ihnen nicht bei jeder Gelegenheit vermitteln, dass ihre ersten Ergebnisse wertlos seien.
Und wer eine kostenlose Lernplattform pauschal abwertet, ohne ihre Inhalte ernsthaft zu prüfen, sollte sich vielleicht fragen, ob ihm die Vermittlung von Wissen wirklich so wichtig ist, wie er behauptet.
12. Mein Maßstab bleibt das Ergebnis. Nicht das Ego des Entwicklers.
Ich habe überhaupt kein Problem mit Menschen, die bewusst ohne KI arbeiten möchten.
Wer seinen Code vollständig selbst schreiben möchte, soll das tun.
Wer jedes Detail eines Frameworks verstehen möchte, soll sich damit beschäftigen.
Wer ausschließlich in Assembler programmiert, weil er die technische Herausforderung liebt, hat meinen Respekt.
Ich kann diese Leidenschaft sogar sehr gut nachvollziehen.
Aber die persönliche Entscheidung, auf bestimmte Werkzeuge zu verzichten, begründet keinen moralischen Anspruch gegenüber anderen.
Du möchtest ohne KI programmieren?
Großartig.
Ich möchte KI dort verwenden, wo sie mir hilft, meine Ideen schneller umzusetzen.
Ebenfalls großartig.
Beide Ansätze können nebeneinander existieren.
Was ich nicht akzeptiere, ist die Vorstellung, dass die eine Arbeitsweise grundsätzlich legitim sei und die andere automatisch minderwertig.
Denn am Ende ist Software kein religiöses Bekenntnis.
Sie muss funktionieren.
Sie muss ihren Zweck erfüllen.
Sie muss angemessen sicher sein.
Und sie sollte einen nachvollziehbaren Nutzen haben.
Wenn ein Projekt diese Anforderungen erfüllt, dann ist mir vollkommen egal, ob sein Entwickler dafür drei Jahre oder drei Monate gebraucht hat.
Ich finde es sogar bemerkenswert, wenn Menschen heute Dinge erschaffen können, für die früher ein deutlich größerer zeitlicher oder finanzieller Aufwand erforderlich gewesen wäre.
Das ist eine Errungenschaft.
Kein Skandal.
Fazit: Die IT braucht weniger selbsternannte Türsteher und mehr Menschen, die etwas erschaffen.
Ich bin diese selbstgefällige Haltung leid.
Dieses reflexartige „AI-Slop“.
Dieses Herabschauen auf Menschen, die andere technische Wege gehen.
Dieses ständige Bedürfnis, die eigenen Fähigkeiten dadurch aufzuwerten, dass man die Arbeit anderer entwertet.
Und insbesondere diese absurde Vorstellung, dass technischer Fortschritt erst dann legitim sei, wenn er niemandem das Gefühl nimmt, etwas Besonderes zu sein.
Ich will keine Community, in der jeder alles unkritisch feiern muss.
Ich will eine Community, in der Kritik Substanz hat.
In der Sicherheitslücken aufgezeigt werden.
In der schlechte Architekturentscheidungen diskutiert werden.
In der Menschen voneinander lernen können.
Und in der jemand, der eine kostenlose Lernplattform entwickelt, nicht erst seine persönliche Legitimation verteidigen muss, bevor überhaupt über das Projekt gesprochen wird.
Wir sollten Ideen beurteilen, nicht Lebensläufe. Ergebnisse analysieren, nicht Egos schützen. Und Probleme lösen, statt künstliche Eintrittsbarrieren zu errichten.
Die Informatik ist nicht deshalb so weit gekommen, weil jede Generation darauf bestanden hat, dass die nächste Generation weiterhin dieselben mühsamen Arbeitsschritte manuell erledigt.
Sie ist so weit gekommen, weil Menschen neue Abstraktionen, Werkzeuge und Methoden entwickelt haben, die zuvor undenkbare Dinge ermöglichten.
Und wer heute ernsthaft glaubt, Fortschritt müsse dort enden, wo die eigene technische Exklusivität bedroht wird, hat meiner Meinung nach das Grundprinzip dieser Entwicklung nicht verstanden.
KI ist nicht automatisch die Lösung für alles.
Aber sie ist auch nicht automatisch das Problem.
Das eigentliche Problem sind Menschen, die ihre persönliche Abneigung gegen eine Technologie mit objektiven Qualitätsmaßstäben verwechseln und daraus das Recht ableiten, andere kleinzumachen.
Und vielleicht sollten sich gerade diese Menschen einmal fragen, warum sie mehr Energie darauf verwenden, fremde Projekte abzuwerten, als selbst etwas Sinnvolles beizutragen.
Denn während die einen darüber diskutieren, wer überhaupt das Recht hat, etwas zu entwickeln, setzen die anderen ihre Ideen einfach um.
Und genau das werde ich weiterhin tun.
Ob es den selbsternannten Gatekeepern gefällt oder nicht.
Ach ja, und Überraschung: Dieser gesamte Blogeintrag wurde mit ChatGPT geschrieben.
Take that!